Ferienwohnung Orsoyerberg

2012-10-11-rpDas Ende von Buche Nummer 1
Das Naturdenkmal vor der Evangelischen Kirche Orsoy ist gestern von Landschaftsgärtner Sascha Tiege gefällt worden, weil ein schädlicher Pilz die Wurzeln angegriffen hat. Orsoyer sind betroffen, zeigen aber Verständnis.
Die alten Bäume vor dem Eingang der Evangelischen Kirche Orsoy sind liebgewonnene Wahrzeichen im alten Festungsstädtchen am Rhein. Gestern ist die ,,Buche Nummer 1" (rechts vom Eingang) gefällt worden. Der Baum ist vom Riesenporling befallen. Ein Pilz, der die Wurzeln angreift und die Standfestigkeit beeinträchtigt. Ein Gutachter hatte dem Naturdenkmal das Ende attestiert.

Schon früh morgens rückten gestern Sascha Tiege und seine Mitarbeiter Hermann Tiege und Marcel Lambertz mit Lkw, Shredder, Kettensäge und Hubsteiger an. Tiege ist der Chef von Galabau Tiege in Neukirchen-Vluyn und hat den Auftrag, den Baum zu fällen. ,,Ich werde zunächst die dicken Äste unterhalb der Krone absägen und mich dann nach und nach nach oben vorarbeiten", sagt der 26-Jährige.

150 Iahre alt, ca. 1,20 Meter Durchmesser und rund 20 Meter hoch — das sind die Eckdaten, die Tiege an die Hand gegeben wurden. Klaus Rothgang (65), der sich für die Kirchengemeinde um die Ausschreibung kümmerte, kennt andere Zahlen: ,,Mir hat man gesagt die Buche sei mindestens 250 Iahre alt." Und Helga Tempel, Mitglied des Presbyteriums, geht sogar von 400 Iahren aus: ,,Es gibt Dokumente, aus denen das hervorgeht", so die 54-Jährige. ,,Betroffenheit, Traurigkeit, aber auch Verständnis für die Situation, denn Sicherheit geht vor", sagt Helga Tempel auf die Frage, was die Buche für sie bedeute. Ihr Mann Wolfgang Tempel (58) ist neben dem Kirchbaum aufgewachsen: ,,Mein Elternhaus stand unmittelbar neben der Kirche", erzählt er. ,,Wir haben mit diesem Baum gelebt. "

Für Iosef Devers (59) ist klar: ,,Es gibt keinen Orsoyer, der die Kirche ohne diesen Baum kennt, " Auch er findet es traurig, dass die Fällung nicht zu verhindern gewesen sei, sieht aber auch eine Chance darin: ,,Als vor Jahrzehnten die Kastanienbäume vor der St.-Peter-Kirche in Rheinberg gefällt wurden, hatte man nachher einen unverstellter Blick auf das Gebäude."

Viele Orsoyer kamen gestern an die Kirche und verfoltgen die Fällarbeiten. Auch Judith Bässler. ,,Wir haben früher als Kinder immerzu geguckt, wenn die Hochzeitspaare unter den Bäumen standen", erinnert sich die 43-Jährige. Der älteste in der Runde war Hansfried Witzer ,,Der Baum war immer da. Er gehörte zum Stadtbild", so der 79—Jährige. Aber nichts währt ewig, deutet der Senior an und erinnert wie einige andere auch an die alten Häuser vor der Kirche, die Mitteer sechzigei Jahre abgerissen wurden.