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Niedrigwasser macht dem Hafen Rheinberg-Orsoy zu schaffen

orsoy.netSchiffe fahren nur noch mit halber Beladung, die Kohlelagerbestände nehmen ab, Überstunden werden abgefeiert, die Umschlageinnahmen gehen zurück.

Man kann nun wirklich nicht sagen, die Schiffe liefen auf Grund. Aber die Folgen des niedrigen Wasserstands im Rhein sind schon sichtbar – zum Beispiel an der Kaimauer des Niag-Rheinhafens Orsoy.

Dort kann man anhand der Spuren an den Spundwänden deutlich sehen, dass der Rhein deutlich weniger Wasser führt als sonst üblich. „Von Niedrigwasser wird gesprochen, wenn der Pegel unter 300 Zentimetern liegt“, erklärt Hans-peter Sturm, zuständig für Vertrieb und Logistik. „Im Moment ist der Wasserstand bei etwa 230 Zentimetern, das aber schon gut drei Monate. Das ist eine ungewöhnlich lange Zeit – normalerweise dauert das zwei bis drei Wochen, dann geht der Pegel wieder rauf.“

Lagerbestände bei Niedrigwasser besonders wichtig
Das bedeutet ganz konkret, dass „ein Schiff, dass 5000 Tonnen fasst, im Moment nur mit etwa 2500 Tonnen fährt. Im Grunde genommen bräuchte man den doppelten Schiffsraum – aber der ist nicht auf dem Markt“, so Sturm.

Eine Zeit lang könne man die nicht vorhandene Transportkapazität auf dem Rhein durch Lagerbestände überbrücken, erzählt Sturm. „Aber auf Dauer geht das natürlich nicht.“ Das sieht man ganz deutlich bei einem Rundgang durch den Orsoyer Hafen. Üblicherweise gibt es zwischen den Bergen mit der Kraftwerkskohle nur einen schmalen Durchgang. Jetzt können sich die Radlader auf dem Gelände locker hin- und herbewegen. Sturm: „Unser Bestand wird weniger. Wir können ihn nicht mehr auf dem normalen Niveau halten.“
Kraftwerke haben Versorgungsprobleme
Je länger es auf dem Wasserweg eng sei, desto problematischer werde auch die Situation auf der Schiene, so Sturm. „Auch da gibt es nur eine gewisse Kapazität. Und wenn man bedenkt, dass ein Zug etwa 1500 Tonnen Kohle transportiert, müssen dafür ungefähr 60 Lkw fahren. Einige Kraftwerke haben jetzt schon Versorgungsprobleme.“

Das Problem mit dem Niedrigwasser trifft also nicht nur den Schiffsverkehr, sondern, je länger es dauert, auch viele andere Bereiche des täglichen Lebens – und natürlich auch den Hafen Orsoy selbst. Sturm: „Wir haben hier einen Drei-Schicht-Betrieb an sieben Tagen in der Woche. Aber mittlerweile gibt es bei uns auch Phasen, in denen gar nichts zu tun ist. Das Beladen eines Schiffs mit 2000 Tonnen Kohle dauert etwa acht bis zehn Stunden.“ Bei 5000 Tonnen wäre natürlich mehr Arbeit da, aber auch mehr Einnahmen durch den höheren Umschlag. Wegen der Situation werden schon seit Wochen in der Belegschaft Überstunden abgefeiert. „Die Zeitkonten können auch ins Minus gefahren werden“, sagt Sturm. „Wir überlegen aber im Moment, ganze Wochenendschichten ausfallen zu lassen. Die Kollegen sind vielleicht froh, dann mal frei zu haben.“