Ferienwohnung Orsoyerberg

Orsoy fürchtet eine Krähenplage

Am Rheindeich sind sechs Pappeln gefällt worden. Nun wächst die Sorge, dass die Krähen in den Ort umziehen.

Es gibt Tage, da will die Säge sägen. Besonders zu Beginn des Jahres. Da fallen Bäume. Denn die Brutzeit naht. Dann geht da nichts mehr. Auch am Deich in Orsoy ist in dieser Woche die Axt angelegt worden. Sechs Pappeln sind hier gefallen. Am Mittwoch vier, gestern noch einmal zwei. Das nahm der Ausschuss für Umwelt, der sich in seiner Sitzung intensiv mit Bäumen in der waldarmen Stadt Rheinberg befasst hat, einigermaßen ungerührt zur Kenntnis. Eher beiläufig aber schreckte ein Szenario, von dem das benachbarte Polderdorf Büderich ein garstig Lied singen kann: Krähen, die mitten im historischen Städtchen unablässig für reichlich Dreck sorgen.

Die Pappeln am Deich, so hieß es aus dem mit der Örtlichkeit vertrauten politischen Raum, waren Heimstadt für viele der schwarzen Hitchcock-Vögel. Die hatten sich in den schlanken Bäumen ihre Nester gebaut und waren von hier aus ausgeflogen. Da die Nester nun mit den Bäumen gefallen sind, so die logische Schlussfolgerung, müsste sich die schwarzgefiederte Kolonie eine neue Heimstatt suchen. Und die Wahl könnte dann auf eine Stelle fallen, die den Orsoyern so gar nicht gefällt - ins Stadtgebiet nämlich, so die Befürchtung von Klaus Wittmann (CDU): "Dann droht uns die Büdericher Dramatik."

Technischer Beigeordneter Dieter Paus nimmt die Sorge zwar ernst, doch er versuchte zu besänftigen. Er könne zwar, weil die Krähe bekanntlich ein schlaues Tier ist, wie eine prominente "Veenze Kräje" immer wieder betont hat, nicht prognostizieren, wo sich die Vertriebenen nun niederlassen werden.

Aber die Stadt werde alles in ihrer Macht stehende unternehmen und versuchen, den Umzug zu steuern. Die Ersatzbäume für die gefällten Pappeln würden, wenn sie im Frühjahr gepflanzt werden, nicht an einer Stelle konzentriert, also dezentral angepflanzt - mit gebotenen Sicherheitsabstand zum Deich wie zum Ortszentrum, beschrieb Paus seine Strategie. Außerdem seien die neuen Bäumchen noch nicht so groß. Sie böten sich erst, wenn überhaupt, in ein paar Jahren als reizvoll für den Nestbau an.

Gleichwohl will sich die Verwaltung mit dem Thema Krähen, die zu Plagegeistern werden können, intensiv auseinandersetzen - nicht nur für Orsoy, sondern auch für Ossenberg, wo Krähen ebenfalls für Verdruss sorgen. Paus kündigte für die nächste Ausschusssitzung eine Vorlage an, die den Büdericher Modellversuch auswerte, die alles zukackenden Krähen vor die Tore des Dorfes zu bewegen.

Dafür hat die Stadt Wesel 53.000 Euro ausgegeben und dafür den niederländischen Krähenversteher Diederik van Liere engagiert. Der Verhaltensforscher hat die Umsiedlungsversuche im Polderdorf wissenschaftlich begleitet.

Gemacht wurde Folgendes: Die Krähennester wurden aus den Platanen auf dem Marktplatz herausgesägt und in Bäume am Fort Blücher draußen in der Rheinaue wieder eingesetzt. Das Ergebnis Versuchs fällt allerdings eher nüchtern aus. Das Angebot des alternativen Wohnortes haben die geschützten Vögel ausgeschlagen.

Das wird den Büderichern allerdings schnuppe sein. Das gebeutelte Polderdorf ist nahezu krähenfrei. Auch wenn der Grund hierfür wohl am ehesten darin zu suchen ist, dass die Platanen stark zurückgeschnitten wurden und seither sehr kurz gehalten werden. Der Fachmann hält die Rückkehr daher für sehr unwahrscheinlich.

Die Pappeln in Orsoy waren übrigens nicht zu retten, so Dieter Paus. Teilweise seien sie schon "komplett hohl" gewesen und drohten umzukippen. Damit hat die Säge dafür gesorgt, dass kein Mensch Schaden nimmt.
Quelle: RP

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