Ferienwohnung Orsoyerberg

„Den Menschen die Hand reichen“ in der ZUE in Orsoy

ZUE orsoyIn dem großen Raum, in dem im Ende des vergangenen Jahres die erste Informationsveranstaltung zur zentralen Unterbringungseinrichtung für Flüchtlinge in Rheinberg-Orsoy stattfand, ist jetzt die Mensa untergebracht.

Markus Jansen, Leiter der zentralen Unterbringungseinrichtung in Rheinberg-Orsoy, plädiert dafür, die Flüchtlinge willkommen zu heißen.

Die Neugier siegt: Wie überall ergreifen Kinder nach vielleicht anfänglichem Fremdeln am schnellsten Besitz von der neuen Umgebung. Sie hocken zusammen auf den Fluren und beschäftigen sich miteinander, sie rennen, sie spielen. Unverkrampft belegen sie das ehemalige Marienhospital in Orsoy mit Beschlag, nehmen die jetzige zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) als ihr Zuhause an – auch wenn es nur ein vorübergehendes ist. Aber das dürfte für viele von ihnen in der letzten Zeit auch Alltag gewesen sein: dass man ankommt und wieder weiterzieht. Erst wenn die Flüchtlinge aus Orsoy auf die ihnen zugewiesenen Kommunen weiterverteilt worden sind, wird etwas mehr Ruhe in ihr Leben einkehren können.

Seit Montag ist die ZUE nach der Räumung Ende November wegen Brandschutzmängeln wieder belegt. Derzeit sind ungefähr 160 Flüchtlinge im ehemaligen Schwesternheim untergebracht, bis zu 300 sollen es werden.

Das eigentliche frühere Hospital wird für die Nutzung durch 200 Flüchtlinge vorbereitet. Hier muss vor allen Dingen der Brandschutz nachgerüstet werden. „Das ist gerade bei Arbeiten in einem schon bestehenden Gebäude manchmal schwieriger, als man vorher angenommen hatte“, erzählt Markus Jansen, der neue Leiter der ZUE und schon seit dem 7. Dezember vor Ort. „Zum 1. Februar sollen wir auch diesen Teil nutzen können.“

Bis am 4. Januar die ZUE wieder belegt wurde, gab es genug zu tun: Zimmer herrichten, die Verpflegung (durch einen externen Caterer) vorbereiten, die baurechtlichen Rahmenbedingungen schaffen, bis „alle Stellen sagten, dass es okay ist“. Jansen hatte übrigens auch schon in seiner früheren Tätigkeit als ZUE-Leiter in Kerken mit Rheinberg zu tun: „Dort habe ich Plätze zur Verfügung gestellt für die Menschen, die Orsoy verlassen mussten.“

Wie sicht der Alltag eines Menschen in der zentralen Unterbringungseinrichtung aus? „Man muss unterschiedliche Termine wahrnehmen. Zum Beispiel muss ausgeschlossen werden, dass man an TBC erkrankt ist oder andere ansteckende Krankheiten hat. Dreimal in der Woche kommt ein Arzt hierher und bietet Impfungen an. Aber es wird niemand zwangsgeimpft. Röntgenuntersuchungen können wir zurzeit nur in Duisburg machen lassen, deswegen werden die Flüchtlinge dorthin gefahren. Sobald wir hier geschultes Personal dafür haben, geht das natürlich hier – die Geräte und Räume dafür sind ja da.“

Mit den Ehrenamtlern will Jansen so schnell wie möglich in Kontakt treten. „Deren Arbeit muss koordiniert werden.“ Nichts sei frustrierender, als seine Mitarbeit anzubieten und dann nichts zu tun haben, weil so etwas unkoordiniert verläuft. Auch mit den Orsoyern will er in einen Dialog treten, vielleicht in Form einer monatlichen Bürgersprechstunde. „Dann können sie sagen, welche Beschwerden es gibt. Der Bürger muss aber schon mit uns sprechen, sich austauschen.“ Besichtigungstouren soll es nicht geben: „Wir sind kein Zoo!“

Damit die Flüchtlinge sich in ihrer neuen Umgebung zurechtfinden, gibt es Einführungskurse. Jansen: „Dabei werden die Hausordnung erklärt, die Regeln des alltäglichen Lebens.“ Aber das sei keine Einbahnstraße. „Wir müssen klar machen, dass sie willkommen sind, ihnen die Hand reichen – und sie nicht wegziehen.“

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