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ZUE: Malteser planen nahtlosen Wechsel

55 DRK-Mitarbeiter der Orsoyer Flüchtlingseinrichtung verlieren ihre Jobs und kritisieren die Bezirksregierung.

Die 55 DRK-Mitarbeiter in der Flüchtlingsunterkunft (ZUE) Orsoy traf die Nachricht, dass der Landesverband Nordrhein den Vertrag mit dem Investor IPG gekündigt hat, offenbar überraschend. Wie berichtet, soll die IPG mit Zahlungen in Millionenhöhe beim DRK in der Kreide stehen. Das Unternehmen von Investor Jörg-Richard Lemberg hat 2015 das Marien-Hospital von der St.-Josef-Krankenhausgesellschaft Moers gekauft und betreibt dort seit 15 Monaten im Auftrag des Landes eine Flüchtlingsunterkunft mit derzeit 400 Bewohnern.

Die Mitarbeiter rechnen damit, ihre Jobs zu verlieren. "Uns ist nicht bekannt, dass ein Übergang geplant ist. Uns ist zum 28. Februar 2017 gekündigt worden", teilten sie gestern mit. "Es gibt reguläre Stellenausschreibungen für die Krankenstation, für Erzieherinnen und eine Teilzeitstelle für die Verwaltung, alles zu einem anderen Tarif. Definitiv wurde uns weder ein Betriebsübergang angeboten, noch wurden Gespräche vonseiten der Malteser geführt." Das DRK habe, nachdem die Kündigung zugestellt worden war, eine Betriebsversammlung einberufen, um über die Situation zu informieren. "Umso erschreckender finden wir es, dass die Bezirksregierung Düsseldorf als Auftraggeber der Betreuungsdienstleistung Kenntnis davon hatte, dass Zahlungen nicht geleistet wurden und in keiner Weise eingegriffen hat. Somit stellt sich die Frage, ob die wirtschaftlichen Interessen eines Investors über die Belange der Mitarbeiter und Bewohner gehen", heißt es aus der Belegschaft. "Wenn Herr Lemberg der Meinung ist, dass die Leistungen des DRK überbezahlt sind, dann hätte es sicher andere Wege gegeben, eine Lösung zu finden. Nun nehmen es DRK, Malteser, Lemberg und Bezirksregierung billigend in Kauf, dass 55 Mitarbeiter kurzfristig ihre Arbeit verlieren."

Kai Jatzenko, Leiter des Migrationsbüros NRW der Malteser-Werke - eine Tochter des Malteser Hilfsdienstes - bestätigte der Redaktion gestern, dass die Malteser die Sozialbetreuung in der Orsoyer Einrichtung zum 1. Februar übernehmen. "Wir waren bereits vor Ort und haben uns ein Bild von der Situation gemacht", so Jatzenko. "Wir haben 25 Jahre Erfahrung in diesem Geschäft und sind gut aufgestellt. Sonst würden wir das nicht machen. Die Abläufe in solchen Einrichtungen sind sehr ähnlich. In den ersten zwei bis drei Wochen wird es sicher ruckeln, aber wir kriegen das hin." Die Flüchtlingsarbeit sei das Kerngeschäft der Malteser-Werke, hob Jatzenko hervor. Bundesweit seien die Malteser Träger von weit über 100 Einrichtungen, allein in NRW seien es (mit Orsoy) sieben große Landeseinrichtungen.

Der Büroleiter will in Orsoy an Bestehendes anknüpfen: "Ehrenamtliche Angebote, Netzwerke knüpfen - alles das soll nahtlos weitergehen. Wer jetzt ehrenamtlich tätig ist, kann das auch weiterhin sein."

Tatsächlich planen die Malteser, die Einrichtung zum überwiegenden Teil mit eigenen Leuten zu führen: 40 in der Sozialbetreuung, drei für die Spielstube, vier im Sanitätsdienst, ein Ehrenamtskoordinator sowie die Leitung. Hinzu kommt das Küchenpersonal, das eine andere Malteser-Gesellschaft stellen wird. Es seien bereits Bewerbungen von Mitarbeitern aus der Orsoyer ZUE bei den Maltesern eingetroffen.
Quelle: RP