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Bürger fordern mehr Ruhe an Bahnstrecke

Initiative "Niag Bahnlärm" kämpft für mehr Ruhe an der Güterbahnstrecke zum Orsoyer Rheinhafen - im Dialog mit Niag und Kommunen. Jetzt berichten die Anlieger von neuen Chancen: Bald könnten drei Bahnübergänge umgebaut werden.

Seit 2012 setzt sich die Bürgerinitiative "Niag Bahnlärm" dafür ein, dass das Leben an der Güterbahnstrecke zum Orsoyer Rheinhafen erträglicher wird. Denn das Quietschen der Kohlezüge und vor allem die warnenden Pfeiftöne an den Übergängen machen den Streckenanwohnern in Orsoy, Orsoyerberg, Vierbaum und Baerl zu schaffen. Teilerfolge hat die Initiative mit aktuell 220 Mitgliedern schon erzielt. Nun hoffen die Akteure, dass endlich drei Bahnübergänge nachgerüstet werden.

Unsere Redaktion hat mehrfach über die Probleme der betroffenen Bürger berichtet und die Initiative jetzt wieder kontaktiert: Wie entwickelt sich das Problem? Verärgerung darüber, nachts vom Pfeifen der Züge aus dem Schlaf gerissen worden zu sein, habe es auch früher immer wieder mal gegeben, sagt Initiativsprecherin Dr. Eva Hellmis, deren Haus an der Baerler Straße nur wenige Meter neben den Gleisen steht. "Aber 2012 hat sich die Situation geändert. Die Auftragslage der Verkehrsbetriebe hat sich damals sprunghaft verbessert, und dementsprechend fuhren mehr Züge." Im Schnitt sind das 24 bis 27 pro Tag, drei bis vier davon rollen nachts, bestätigen Helmut Gawel und Ulrich Lachmann, die auf Baerler Seite, also auf Duisburger Stadtgebiet leben.

Ein erster Aufruf zeigte damals, wie groß das Interesse ist. "Bei unserem ersten Treffen im Schwarzen Adler waren mindestens 100 Leute da", unterstreicht Helmut Gawel. Schnell suchte die neu formierte Initiative - unterstützt von den Rheinberger Bündnisgrünen - das Gespräch mit der Niag und auch mit der Stadt. "Der Stein kam ins Rollen", so Eva Hellmis. Die Niag habe sich zunächst auf die Position zurückgezogen, dass sie seit 1984 eine langfristige Genehmigung für die Strecke habe - auch wenn diese durch Wohngebiete führe. Dieter Paus, Beigeordneter der Stadt Rheinberg, habe vorgeschlagen, das Thema zu objektivieren und ein Gutachten in Auftrag zu geben.

Es wurden Messungen durchgeführt, es gab Treffen im Wohnzimmer von Eva Hellmis, bei denen heftig diskutiert worden sei. Es sei eine Vereinbarung getroffen worden, mit der alle Beteiligten am Verhandlungstisch leben konnten: Niag, Stadt Rheinberg, Stadt Duisburg, der Kreis Wesel sowie die Initiative. Dass jedes Vorgehen mit so vielen Parteien abgestimmt werden müsse, mache die Lage nicht unproblematischer, geben die Anwohner zu.

In der Sache geht es zunächst um die Bahnübergänge Mühlenstraße (Verlängerung Baerler Straße, Stadtgrenze Duisburg/Rheinberg), Lohmühler Weg (privat) und Siedlerweg. Auf der Mühlenstraße soll eine Halbschrankenanlage gebaut werden, die beiden anderen Übergänge sollen mit modernen Licht- und Tonsignalen ausgestattet werden. Eva Hellmis: "Das alles sollte längst gemacht sein, daran waren alle Beteiligten interessiert. Das Planfeststellungsverfahren zieht sich sehr lange hin. Die Mühlen der Bürokratie mahlen leider sehr langsam."

Mit der Niag und den Städten klappe die Zusammenarbeit gut, es gibt zweimal pro Jahr Gespräche und es sind auch schon Teilerfolge zu verbuchen: So ist in Baerl am Bahnhof Lohmannsheide eine Weiche abgebaut worden, was zu Verbesserungen geführt hat. Die Züge fahren langsamer, wodurch sich die Vibrationen in Grenzen halten. Nahe der Mühlenstraße ist eine Schienenschmieranlage installiert worden, die das Quietschen mindert.

Zudem ist das Verschweißen der Stoßlücken zwischen den einzelnen Schienen zugesagt worden. Dadurch fällt das nervige "Klackern" der Züge weg. Auch die BI hat Zugeständnisse gemacht und zugesagt, auf eine gerichtliche Auseinandersetzung zu verzichten, wenn Niag und Kommunen auf die Forderungen eingehen.

"Es läuft ganz gut für uns", unterstreicht Eva Hellmis. "Aber wir warten jetzt auf Ergebnisse. Die Bahnübergänge müssen nachgerüstet werden. Wir hoffen, dass das bald passiert. Schließlich geht es uns auch um mehr Sicherheit." Die Chancen, dass sich in diesem Jahr etwas tut, stehen nicht schlecht. Sollte das große Ziel erreicht sein, wollen die Akteure noch eine Lösung für den Bahnübergang Bendstege in Orsoy finden. Die sei bisher aber noch nicht in Sicht.