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Deich: Mehr Anwohner müssen zahlen

Die Deichverbände Poll und Orsoy stehen kurz vor der Fusion. Ein neues Gutachten aus Aachen zeigt Überflutungsszenarien.

Aus den Deichverbänden Orsoy und Poll wird der Deichverband Duisburg-Xanten: Die beiden für den Hochwasserschutz zuständigen Organisationen fusionieren zum 1. Januar 2017 (die RP berichtete). "Das ist keine Neugründung", unterstreicht der Orsoyer Deichgräf Viktor Paeßens. "Es gehen zwei Verbände zusammen." Das ganze Vorgehen sei rechtlich sauber mit der Bezirksregierung abgestimmt und vorher in Mitgliederversammlungen bekanntgegeben worden, sagte Erich Weisser, Deichgräf Poll.

Beide Deichgräfe wissen, dass man von einer Fusion auch in finanzieller Hinsicht Synergieeffekte erwarte. Sprich: Geld spart. Das Gegenteil wird der Fall sein. Denn die noch eigenständigen Deichverbände beschließen Beitragserhöhungen. Poll von 1,70 auf 1,90 Euro pro 1000 Euro Einheitswert, Orsoy von 1,50 auf 1,90 Euro Einheitswert. Wer ein Einfamilienhaus besitze (bei einem Einheitswert von 30.000 Euro), müsse - grob gerechnet - mit einem Anstieg von etwa 45 Euro auf knapp 60 Euro pro Jahr ausgehen.

Orsoy (zuständig für 18,7 Kilometer Deich zwischen Binsheim und Ossenberg sowie 1,3 Kilometer Leitdeich bei Eversael) und Poll (zuständig für knapp 20 Kilometer Deich zwischen Ossenberg und Birten) haben in dieser Woche Mitgliederversammlungen, in denen die Erbentagsmitglieder für den künftigen Deichverband bestimmt werden. Orsoy hat bisher zehn Mitglieder, künftig werden es zwölf sein; in Poll sinkt die Zahl von derzeit 30 auf dann 14, so dass dem Erbentag des neuen Verbands 26 Mitglieder angehören werden. Zudem beschließen beide Verbände deckungsgleiche Satzungen, die als Grundlage für eine neue dienen werden.

Ein Zusammenschluss zu einer größeren Einheit habe den Vorteil, dass man personell anders taktieren könne, sagt Viktor Paeßens. Während jetzt zum Beispiel Ingenieursleistungen eingekauft werden müssten, sei es denkbar, künftig einen eigenen Fachmann einzustellen. "Das Outsourcen hat uns in der Vergangenheit eine Menge Geld gekostet", sagt der Deichgräf. Weitere Vorteile seien, dass es vergleichbare Aufgaben gebe und das Gebiet im Norden bei Xanten durch den Höhenrücken der Hees geografisch begrenzt sei. Auch der geplante Bau des Polders bei Rheinberg und der Flutmulde im Bereich der Bislicher Insel spielten eine Rolle.

Unabhängig von der Fusion kommen weitere Herausforderungen auf den neuen Verband zu. Viktor Paeßens: "Erstmals nach 13 Jahren liegt uns jetzt ein neues Gutachten der RWTH Aachen vor, das sich auf das Gebiet der Deichverbände Poll, Orsoy und Friemersheim bezieht. Wir wissen dadurch ganz genau, wo das Wasser im Falle eines Deichbruchs hinfließen würde." Diese Erkenntnisse werden zur Folge haben, dass mehr Rheinanlieger, die bisher nicht veranlagt werden, als Zwangsmitglieder in den neuen Deichverband aufgenommen werden. Und zwar vor allem deshalb, weil sich durch die Bergsenkungen eine neue topografische Situation ergeben habe. Welche Kommunen oder Ortsteile hinzukommen werden, könne man noch nicht sagen. Betroffen sein könnten Teile der Innenstadt und auch Alpsray.

Wer Deichgräf des Deichverbands Duisburg-Xanten wird, entscheidet sich am 2. Januar. Viktor Paeßens und Erich Weisser möchte beide ehrenamtlich im Deichverband weiterarbeiten.