Ferienwohnung Orsoyerberg

„Der Profit wird über die Gesundheit gestellt“

Tag und Nacht rollen die Güterzüge – auch nah an den Wohnhäusern entlang. Die Anwohner beklagen den Lärm.
Rheinberg. Seit Jahren gibt es Ärger zwischen Niag und den Anwohnern der Zugstrecke zwischen Rheinberg und Duisburg. Die Unzufriedenheit ist groß.

Nachts wird es laut in Orsoy. Um 2 Uhr ertönt ein Schleifen und Quietschen, gefolgt von einem Pfeifen. Wolfgang Krause liegt zu dieser Zeit meist wach. Ein weiteres Mal um 4 Uhr in der Früh. Er wohnt seit 40 Jahren in Orsoy, nur 800 Meter entfernt von der wohl am heißesten diskutierten Bahnstrecke der Region. Die einen wollen fahren, die anderen wollen das nicht: Mit diesen wenigen Worten lassen sich die Gegensätze zwischen den Interessen der Niederheinischen Verkehrsbetriebe AG (Niag) auf der einen und den Anwohnern der Niag-Güterzugstrecke Baerl, Vierbaum, Orsoyerberg und Orsoy sowie der Bürgerinitiative Niag-Bahnlärm auf der anderen Seite beschreiben.

Zumindest reden die Parteien miteinander. Bereits im Jahr 2013 wurde eine Vereinbarung erzielt, die eine neue Sicherung für die Bahnübergänge regelte. Im April gab’s weitere Ergebnisse: Weniger Geschwindigkeit auf der Strecke, andere Betriebszeiten, wobei Nacht- und Wochenendfahrten möglichst reduziert werden sollen, eine besondere Instandhaltung der Trasse, die auch die Art und die Zeit der Wartung umfasst, sowie eine Gleisschmieranlage zur Minimierung der Geräusche. Sonja Helmich, Fachbereichsleiterin für Stadtentwicklung in Rheinberg, begleitet seit vielen Jahren die Gespräche zwischen Niag und den Anwohnern. „Die größte Errungenschaft des runden Tischs ist mit Sicherheit die Einigung auf den Umbau von drei Bahnübergängen an der Strecke.“ Die Bahnübergänge an der Baerler Straße/Mühlenstraße, des Lohmühler Wegs und des Siedlerwegs werden auf das Drängen der Bürgerinitiative so umgebaut, dass in Zukunft keine Warnsignale mehr nötig sein werden. „Das wird, wenn alles gut läuft, noch in diesem Jahr umgesetzt“, bestätigt Helmich. Die Fachbereichsleiterin ist ist mit dem Engagement des Niag-Vorstands zufrieden. „Das Unternehmen ist sehr bemüht, die Probleme anzugehen, auch wenn das mal etwas länger dauern kann. Dennoch muss man stets bedenken, dass die Niag in den allermeisten Fällen freiwillig handelt. Das Unternehmen hat eine Genehmigung für die Befahrung der Strecken.“

Den Anwohner hilft das nur bedingt. Werktags rollen in 24 Stunden maximal 25 Fahrten, davon sechs in der Nachtzeit zwischen 22 und 6 Uhr, mit etwa insgesamt 300 Waggons, also durchschnittlich zwölf pro Fahrt. Das sind rechnerisch 72 Waggons nachts und 228 tagsüber. Eva Hellmis von der Bürgerinitiative kritisierte die Zahl der Nachtfahrten vor kurzem als „erschütternd“. „Sechsmal pro Nacht wird man geweckt, das Fenster nachts offen zu lassen geht gar nicht.“

Auch für Wolfgang Krause sind die bisherigen Lösungen nicht zufriedenstellend. „Hier wird auf Grundlage eines alten Bahngesetzes der Profit über die Gesundheit der Anwohner gestellt.“

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