Ferienwohnung Orsoyerberg

Ein Pfarrer mit Herz und Seele

Der Weggang von Pfarrer Wolfgang Schmitz wird sehr bedauert. Christen beider Konfessionen und auch die Kollegen halten große Stücke auf den beliebten Geistlichen

Viele Gottesdienstbesucher wollten es nicht recht glauben, was Dechant Wolfgang Schmitz am Ende der Messe vor zwei Wochen in der St. Peter-Kirche verkündete: Er werde Rheinberg im Dezember verlassen, weil ihm Münsters Bischof Dr. Felix Genn eine neue Aufgabe übertragen hat. Betroffenheit und Bedauern herrscht bei den Katholiken und auch evangelischen Christen zwischen Orsoy und Annaberg. Wolfgang Schmitz kam vor fast zwölf Jahren an seinem Geburtstag, 28. November, als Pfarrer nach St. Peter. An seinem nächsten Geburtstag , der auf den ersten Advent fällt, wird er 50 Jahre alt, ist dann auf den Tag genau zwölf Jahre in Rheinberg. „Es war manchmal schwer, aber es war eine schöne Zeit“, sagt der Geistliche. Am Sonntag darauf, am 4. Dezember, wird er mit allen meinen Geburtstag und zugleich auch Abschied feiern.

Als Schmitz im Dezember 2004 vom Münsteraner Bischof als Pfarrer an St. Peter und St. Marien Budberg entsandt worden war, konnte er nicht ahnen, dass gewaltige Arbeit auf ihn zukommen würde. So stand zwei Jahre später die „Fusion“ der drei bis dahin selbstständigen Kirchengemeinden St. Peter mit St. Marien Budberg, St. Anna Annaberg und St. Nikolaus in Orsoy mit St. Hermann Josef in Eversael und ihm als leitendem Pfarrer an. Viel Überzeugungsarbeit war nötig, um alle Gläubigen mit zu nehmen.

Dass Schmitz 2004 nach Rheinberg kam, hatte mit seinem Engagement für die Gehörlosen zu tun. Er begleitete damals bereits die Gehörlosengemeinde in Wesel, sollte auch die Moerser Gehörlosen übernehmen. Da lag Rheinberg direkt in der Mitte. Jetzt schließt sich für Schmitz der Kreis. Bischof Genn wird ihn zum zweiten Advent zum Diözesangehörlosenseelsorger des Bistums ernennen. Zu den gehörlosen fand er einst als Kaplan in Voerde, als er ein Paar trauen sollte. Schmitz erlernte die Gebärdensprache.

Mit der neuen Aufgabe ist ein Umzug verbunden. Mit seiner Haushälterin Anne Terhardt wird er ins Pfarrhaus von Enniger ziehen, in der dortigen Pfarrgemeinde St. Jakobus in Ennigerloh mitarbeiten. „Rheinberg werde ich nur ungern verlassen“, sagt der Seelsorger. „Ich war Gemeindepfarrer mit Herz und Seele“. Trotzdem freut er sich auf die neue Aufgabe. An Rheinberg wird er oft zurück denken. Nach zwölf Jahren könne er über jedes zweite Haus eine Geschichte erzählen. „Und bei mir ist es zum offenen Pfarrhaus geworden.“

Mit Schmitz wurde vieles anders in Rheinberg. „In der Fusion zu der großen Gemeinde haben wir deutlich gemacht, wie wichtig uns Gemeinschaft ist. Wir wollten erhalten, aber auch fordern.“ Sehr viele Pflöcke schlug er ein, förderte intensive Jugendarbeit, wurde Präses von drei Bruderschaften. „Für mich war es was ganz Neues, dass ein Pastor Präses im Karneval ist.“ Das ist er mit Begeisterung bei den Rhinberkse Jonges. Was den Pfarrer besonders auszeichnet, ist sein Engagement für die Ökumene. Mit ihm wurde ein ökumenisches Konveniat eingerichtet, zu dem sich mehrmals im Jahr die Geistlichen beider Konfessionen treffen.

Das Bedauern über seinen Weggang ist auch auf protestantischer Seite groß. „Mit Wolfgang Schmitz verbindet mich eine langjährige gute und freundschaftliche Zusammenarbeit“, sagt die Ossenberger Pastorin Ulrike Thölke. „Ob im Engagement gegen die Ausweitung der verkaufsoffenen Sonntage oder dem kritischen Blick auf die Friedhöfe unserer Stadt und insbesondere bei der Gestaltung der ökumenischen Pfingstgottesdienste – wir waren uns in all diesen Themen immer sehr nah. Dankbar blicke ich auf das freundliche und fröhliche Miteinander der letzten zwölf Jahre zurück und bin traurig, dass Wolfgang Schmitz Rheinberg verlässt.“ Sagt auch Uwe Klein, evangelischer Pfarrer von Orsoy. „Mit ihm war die ökumenische Zusammenarbeit großartig.“ Vieles war möglich: Drei Jahre war Orsoys Gemeinde in der katholischen Pfarrkirche zu Hause. „Wir werden jetzt wieder für einige Monate rüber müssen“, so Klein. Im Gegenzug wird der Brüsseler Altar aus St. Nikolaus seine Heimat für einige Jahre in der Evangelischen Kirche finden, bis Schäden in St. Nikolaus beseitigt sind. „Für einen neuen Pfarrer hat Schmitz große Schuhe hinterlassen, in die der erst mal passen muss.“ Ein Lob Kleins, wie es besser nicht passen könnte. Betroffenheit auch im Pfarreirat und dem Kirchenvorstand von St. Peter. „Für Pfarrer Schmitz waren es sehr anspruchsvolle Aufgaben, die er bewältigen musste“, sagt Heinz-Willi Coopmann, der ihn im Verwaltungsausschuss und Kirchenvorstand begleitete. „Unsere Zusammenarbeit war über mehr als ein Jahrzehnt von gegenseitigem Vertrauen und Wertschätzung geprägt.“
Neue Orgel

Neben seiner pastoralen Arbeit könne Schmitz auf viele kleine und größere Projekte zurückblicken, die er umsetzte. So bekam die Pfarrkirche eine neue Orgel, Kindertageseinrichtungen St. Peter Rheinberg, St. Anna-Schulstraße und St. Marien wurden auf U3 erweitert, die Kita St. Nikolaus wurde neu gebaut, das Dach der Kirche St. Peter wurde erneuert und der Turm der St. Marien-Kirche Budberg saniert. Noch bevor Pfarrer Wolfgang Schmitz seine Pfarre verlässt, darf er noch den Grundstein für den Neubau der Kita. St. Anna an der Kirche einlassen.

Peter Bußmann

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